GLosse: TV-Journalismus

Es ist doch immer wieder erstaunlich, wie oft im Leben Dinge zusammenpassen und zusammenkommen. „Na ja“, werden nun die rational und strukturiert denkenden, mit der stark ausgeprägten linken Gehirnhälfte ausgestatteten Lebens-Analysten sagen, „es gibt keine Wahrheit, wir reimen uns zusammen, was nach unserer Wahrnehmung zusammengehört“. „Ja“, antworte ich, „im Prinzip stimme ich euch zu, aber manchmal ist es doch wirklich merkwürdig…“

Januar 2000, ein mehrwöchiger Aufenthalt in meiner Lieblingsstadt Los Angeles. Nachdenken über Journalismus. Nach 15 Jahren Fernsehen, vor allem Nachrichten und Magazine, also das, was man gemeinhin als Journalismus bezeichnet, bzw. das, was im Fernsehen noch vom Journalismus übrig geblieben ist und weiterhin übrig bleiben wird, scheint mir die Energie für eben dieses Metier auszugehen; Alternativen willkommen. Vielleicht doch noch einmal den Jugendtraum auf seine Umsetzung ins wirkliche Leben hin überprüfen? Musiker, Gesang und Gitarre. Im Guitar Center Hollywood, zu der Zeit das größte Musikgeschäft in den USA, gebe ich mich meinem Traum hin, spiele viele Gitarren im Geiste und einige, bezahlbare, in der Wirklichkeit an.

Dann holt mich die Gegenwart ein, genauer, die Fernseh-Gegenwart: Ein Fernsehteam baut Scheinwerfer und Kameras auf, Moderatorin, Kamerateam und Producer proben erste Interviews. Natürlich habe ich die Gitarren inzwischen zurückgestellt (im wörtlichen, aber auch im übertragenen Sinn…) und schaue den Kollegen zu. Ihren Gesprächen und den Probe-Interviews entnehme ich, dass es ein Team von Entertainment Television ist, das eine Dokumentation über den Jazz-Gitarristen Pat Metheny dreht und dazu ein Interview führen will. Geplant war offensichtlich ein Gespräch mit Geschäftsführer und Musikexperten von Guitar Center, der aber wohl kurzfristig abgesagt hat. Und so überredet das TV-Team. genauer die ebenfalls anwesende Moderatorin, kurzerhand einen Verkäufer das Interview zu geben.
Protokoll einer Sternstunde des Fernsehjournalismus:

Die Moderatorin geht auf einen Verkäufer zu.

Moderatorin: Hi, Ich bin Sandy, von Entertainment TV .Wie heißt Du?
Joe: Hi, Ich bin Joe Beallami und verkaufe hier Gitarren.

Moderatorin: Hi Joe. Kennst Du Pat Metheny?
Joe: Ich bin ein Fan von ihm, er ist mein Vorbild.

Moderatorin: Klasse, dann weißt Du ja sicher eine Menge über ihn.
Joe: Das kann man wohl sagen.

Moderatorin: Okay Joe, für das Interview gleich haben wir zwei Fragen. Laß uns kurz darüber reden. Meine erste Frage wird sein: Welche Bedeutung hat Pat Metheny für die die Jazzmusik?
Joe (lächelt, froh etwas über diesen großen Musiker sagen zu dürfen): Huh, Pat Metheny war der erste, der seine Gitarre mit dem Hintern spielen konnte. das war phänomenal. Pat hat sich damals als Revolutionär gesehen, der die bis dahin übliche Musik einfach ignorierte, der in die Jazz-Musik völlig neue Elemente hineingebracht hat. Die Musiker um ihn herum waren fasziniert, obwohl es auch einige gab, die Methenys Form zunächst nicht verstehen konnten und ihn und seine Musik deswegen ablehnten.

Moderatorin: Das war schon sehr schön, vielleicht können wir das ganze noch ein bisschen kürzen. Aber laß uns zunächst über meine zweite Frage sprechen: Was braucht es denn, um so Gitarre spielen zu können wie Pat Metheny?
Joe: Pat ist ein begnadeter Musiker. Er hat Talent, natürlich. Aber das allein reicht nicht. Pat hat angefangen Gitarre zu spielen, als er sechs war, er ist mit der Gitarre aufgewachsen. Noten konnte er damals noch nicht; er schaute einfach den Musikern zu und spielte das nach, was er gesehen hatte. Pat lebt mit und für seine Musik. Und natürlich hat er geübt, geübt, geübt. Und auch wenn man Talent hat, gibt es Momente, wo man keine Lust hat, wo Musikmachen, wo´s eben Arbeit ist. Auch Pat Metheny kennt solche Momente.

Moderatorin (froh, dass Joe endlich fertig ist): Ja, Joe. Schön. Aber auch da müssen wir noch was wegnehmen.

Moderatorin und Joe stecken die Köpfe zusammen. Nach 10 Minuten scheint alles klar. Kamera ab, Ton läuft.

Moderatorin: Hi, wir sind hier im Guitar Center Hollywood, ein Laden, in den auch Pat Metheny gern kommt. Bei mir ist jetzt Joe Beallami, Verkäufer bei Guitar Center und Pat Metheny-Experte. Joe, welche Bedeutung hat Pat Metheny für die Jazzmusik?
Joe: Ohne zu übertreiben kann man sagen, dass Pat Metheny die Jazzmusik ganz entscheidend beeinflusst hat.

Moderatorin: Was braucht es denn, um so Gitarre spielen zu können wie Pat Metheny?
Joe: Zum einen natürlich Talent, gehörig viel Talent. Aber das reicht nicht. Man muss üben, üben, üben.

Moderatorin: Vielen Dank, Joe. Liebe Zuschauer, dass war Joe Beallami aus dem Guitar Center Hollywood. Mehr über Pat Metheny und die Geschichte, wie seine Liebe zur Musik auf eine harte Probe gestellt wurde – gleich im zweiten Teil von Life and Music of Pat Metheny.

(Später, in der Sendung, kommt dann) Werbung.