Schön war es doch…

Zur Pleite von Air Berlin

Köln – Berlin, Sommer 2016. Über der Elbe.

 

Mallorca für 29 Euro – Leute, mal ehrlich, das ist doch logisch, dass das auf Dauer nicht funktionieren kann. Ja, sicher haben auch die Manager von Air Berlin Fehler gemacht (ich bin kein BWL-er, kann das nicht beurteilen). Aber mal logisch betrachtet:

Wenn ein Produkt in der Herstellung überall gleich teuer ist (Flugzeuge) und die Betriebskosten identisch sind (Kerosin, Flughafengebühren etc.) dann bleibt einem Unternehmen nur noch eine Möglichkeit, Kosten zu sparen: beim Personal. Genau das hat Air Berlin gemacht. Weniger Mitarbeiter, die natürlich mehr arbeiten mussten, als bei „teuren“ Airlines, für weniger Geld, zu schlechteren Bedingungen. Nur deswegen konnten wir über die Jahre so billig fliegen. Wer aber viel arbeitet, unter schlechten Arbeitsbedingungen und dann auch noch wenig Geld kriegt – wird unzufrieden. Da brauchen wir doch nur an unsere eigenen Jobs zu denken. Und, schließlich: Ein Unternehmen, in dem die Leute dauerhaft und massenhaft unzufrieden sind, kann eben keine guten Produkte, keinen guten Service bieten und sich nicht dauerhaft am Markt halten.

Ein Wort noch zu uns, den (früheren Air Berlin) Passagieren: Ja, viele Dinge bei Air Berlin waren schlecht, wir haben uns zu Recht geärgert und die Beschwerden und Häme im Netz waren sicher verständlich. Aber ist es nicht auch von uns ein bisschen naiv gewesen, den billigsten Flug zu buchen – und dann besten Service zu erwarten? Ich jedenfalls habe jetzt schon ein schlechtes Gewissen, dass ich mich über Service und Mitarbeiter von Air Berlin aufgeregt habe. Und dass auch noch öffentlich. Denn wenn es so etwas wie „Opfer“ in dieser Situation gibt, dann sind es nicht wir, die Kunden. Sondern die Mitarbeiter von Air Berlin.

Stefan Korol